Patrick Schöni ist nicht nur Fintech & Blockchain Entrepreneur und Mitgründer von Fintechrockers, sondern auch selbst Mitglied der Digital Minds Society! Im Gespräch mit uns erzählt er von seinem Think Thank, seiner Mission und warum man in Zukunft auf gespiegelte Я im Twitter Profil achten soll.

Stell dich und die Fintechrockers bitte kurz vor.

Hello World, ich bin Patrick Schöni, Mitgründer des Fintechrockers Think Tank. Unser Club entstand im Januar 2017, als ich mit meinen geschätzten Gründerkollegen Andy Waar, Eric Salzmann und Tomas Moral nach einer unserer letzten Lektionen des HWZ CAS Digital Finance, bei einem gemütlichen Bier sass und wir beschlossen, den Kontakt mit dem heiligen „Rockerschwur“ (oder so) aufrecht zu erhalten. Angefangen mit ein wenig Buzz in den sozialen Medien, sind wir mittlerweile ein bunter Mix von über 30 Rockerinnen und Rockers, bestehend aus absoluten „Digital-Cracks“ aus der ganzen Schweiz, Liechtenstein bis hin zur Türkei und Vietnam.

Was ist eure Mission? 

Der Fintechrockers Club ist ein neutraler Ort, wo jeder (privat oder durch eine Institution) willkommen ist. Hier können Mitglieder Probleme und Ideen miteinander, ja sogar machmal mit seinen Konkurrenten, diskutieren. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir über Geschäftsgeheimnisse plaudern. Vielmehr profitieren wir von den Erfahrungen, dem Know-How und den Netzwerken der Mitglieder und verschaffen uns so einen Wissensvorsprung in der Szene. Gegenseitiges Vertrauen und Verschwiegenheit bei vertraulichen Themen sind Voraussetzung dafür, dass wir offen und ehrlich miteinander kommunizieren können. Der ungezwungene Austausch und unendlich viel Spass an verrückten Ideen stehen jedoch immer im Mittelpunkt. Genau darum gibt es auch regelmässig mächtiges Sprücheklopfen, wenn einem wieder einmal ein Rocker über den Weg läuft…

Was waren eure Key Learnings bisher?

Beim Thema Digitalisierung und all den neuen Technologien, steht jeder vor ähnlichen Herausforderungen. Jedoch sprechen nur sehr wenige darüber. Trotz aller Maschinen und künstlicher Intelligenz sind die Menschen (noch) die Protagonisten unserer Arbeitswelt und darum wollten wir einen Ort schaffen, wo es erlaubt ist, Fragen zu stellen und auch Themen in Frage zu stellen, ohne dass es negative Konsequenzen hat. Unsere Mitglieder schätzten von Anfang an diesen offenen und ehrlichen Austausch. Es wäre wünschenswert, wenn noch weitere Führungskräfte diesen Schritt wagen und offener aufeinander zugehen würden.

Wie nehmt ihr die momentane Fintech Situation in der Schweiz wahr?

Kluge Köpfe haben bereits vor Jahren erkannt, dass die Technologie der treibende Faktor für Innovation ist. Deshalb arbeiten sie an allen Ecken und Enden an disruptiven Lösungen. Die Denkweise von den Entscheidungsträgern muss jedoch mitziehen, damit effektive Veränderungen in die gesamte Finanzbranche gebracht werden können. Diese basiert schliesslich seit Jahrzehnten auf den gleichen Geschäftsmodellen. Die Schweiz hat ein riesiges „Digital-Potential“, nicht nur in der Finanzwelt. Doch es braucht auch Mut, Altbekanntes über den Haufen zu werfen und sich neu zu gestalten. Ein gutes Beispiel dafür ist das „Crypto Valley“, das den Wirtschaftsplatz Schweiz in den letzten Jahren als einen der führenden Schauplätze der Blockchain-Technologie und Krypto-Währungen etabliert hat. Getrieben wurde das Projekt von mutigen Pionieren, die es wagten mit einer neuen Technologie zu experimentieren, um innovative Lösungen zu erschaffen. Durch die aktive Unterstützung von führenden Wirtschaftsunternehmen, der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht und der Politik entwickelte sich das Experiment schlussendlich soweit, dass man heute von der „Crypto Nation Switzerland“ spricht, was ebenfalls zum Import von ausländischem Innovationskapital und somit zur Schaffung neuer Arbeitsplätzen geführt hat. Das hält den Schweizer Finanzplatz und Arbeitsmarkt weiterhin global wettbewerbsfähig.   

Was ist euer Beitrag dazu?

Alle unsere Mitglieder tragen individuell zur aktiven Weiterentwicklung der Finanzbranche bei. Entweder durch Führungspositionen in globalen Unternehmen oder durch eigenes Unternehmertum. Unser „Portfolio“ beinhaltet neben den bekannten Grössen im Finanzmarkt, eigene Neo-Banken, Unternehmensberatungen, Rechtskanzleien, Vermögensverwaltungen, Finanzmedien, KYC-Lösungen, Buchhaltungssoftware, Digitale Assets, Cybersecurity und diverse weitere Projekte. Als Club schreiben wir regelmässig Resumés über brennende Themen, organisieren eigene Fintech-Trainings und sind selbstverständlich alle sehr aktiv in den sozialen Medien. Wir sind auch gern gesehene Gastdozenten bei Hochschulen oder treten als Experten auf Veranstaltungen und Kongressen auf der ganzen Welt auf. So helfen wir mehr Transparenz und Verständnis in den digitalen Dschungel zu bringen.

Wo siehst du „The Next Big Thing“ in der digitalen Finanzbranche? 

Für mich persönlich wird „The Next Big Thing“ die schrittweise Abschaffung bzw. die konsequente Verminderung von Bargeld, wie es bereits in einigen skandinavischen Ländern gefördert wird, sein. An den technischen Voraussetzungen, die dafür benötigt werden sowie an den neuen Lösungen, die darauf aufgebaut werden können, wird eifrig gearbeitet. Wie schnell dieser Zeitpunkt des bargeldlosen Zeitalters eintreffen und unseren Alltag verändern wird (ob positiv oder negativ), wird meiner Meinung nach komplett unterschätzt. Falls ihr ein paar visionäre Vorstellungen davon bekommen möchtet, schaut euch die Gedanken zum „Banking 2050“ unseres Mitglieds Daniel Diemers an.

Gibt es Fintech Themen, die zurzeit branchenübergreifend ein Thema sind?

Viele Technologie-Trends, wie zum Beispiel künstliche Intelligenz, virtuelle und erweiterte Realität, Spracherkennung und viele Weitere, sind nicht branchenspezifisch und machen daher auch vor der Finanzbranche nicht Halt. Zudem spielen gesellschaftlich und wirtschaftliche Veränderungen eine grosse Rolle, wenn es darum geht eine finanzielle Zukunft zu schaffen. Vor allem in Hinblick auf die Anforderungen der jüngeren Generationen – als Kunden und Mitarbeiter. Eine Menge hochinnovativer Fintech-Startups arbeiten an Lösungen für genau diese Herausforderungen. In unserem Club sind wir offen für Personen aus verschiedenen Branchen und mit unterschiedlichem Berufshintergrund. Bei uns gibt es beispielsweise Spezialistinnen für digitale Kommunikation, Medienexperten oder sogar eine Designerin. Der Austausch mit solch unterschiedlichen Persönlichkeiten ist hoch interessant, weil sich die Ansichtsweise auf die Finanzwelt sehr von der Sicht der Financiers differenziert. Mein Tipp: Wir sollten häufiger von den Stärken und Schwächen der anderen Branchen lernen und deren Erfolgsmodelle vermehrt im eigenen Umfeld anwenden.

Was kann sich die Finanzwelt in der Schweiz vom Ausland abschauen?

Die Schweiz muss sich in Sachen Innovation, Ideen oder Talente überhaupt nicht vor dem Ausland verstecken. Im Gegenteil! Wir haben in der gesamten Schweiz ein stark wachsendes Fintech- und Blockchain-Ökosystem, das bereits einige Erfolgsgeschichten hervorgebracht hat und auch in Zukunft weiter Schlagzeilen machen wird. Was jedoch oft fehlt ist die Unterstützung der eigenen Leute. Viele ausländische Startups werden von Beginn an hochgejubelt und rege genutzt. Möchte jemand in der Schweiz etwas Ähnliches aufbauen, oder hat er eine visionäre Idee, muss er sich oftmals sehr kritischen Fragen stellen und zu Beginn sehr viele Hürden meistern. Dabei ist gerade dieses Vertrauen in eine gute Idee (sei das in Form von Kontakten, Geld, motivierenden Worten oder noch besser Taten) sehr wichtig. Hier können wir noch sehr viel von den globalen Innovations-Hubs, wie z.B. dem Silicon Valley, London, Berlin, Tel Aviv, Singapur oder Hong Kong lernen. Dort ist die Stimmung viel positiver und man unterstützt und fördert sich gegenseitig.

Was habt ihr für nächste Events und Aktivitäten geplant? 

Nebst den erwähnten Beiträgen unserer Mitglieder finden viele unserer Aktivitäten innerhalb des Clubs statt, ohne grosses Tamtam in der Öffentlichkeit. Ich kann erwähnen, dass wir an einem Talent Accelerator arbeiten, um die nächste Generation der Fintechrockers zu fördern sowie an eigenen Events, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.  Mit Tomas, unserem Mitgründer, verfügen wir sogar über einen hauseigenen Chefkoch, der uns jeweils göttlich mit internationaler Kulinarik verköstigt. Es lohnt sich nur schon dafür, unserem Club beizutreten und an einer solchen Zusammenkunft teilzunehmen. 😉

Wo und wie kann man sich bei euch anmelden?

Wir sind ein geschlossener Club. Bei uns zählt die Qualität, nicht die Quantität. Wir freuen uns aber immer sehr über neue Gesichter! Diese werden in der Regel von einem von unseren Mitgliedern empfohlen. Also: Einfach ein Fintechrockers Mitglied aussuchen, sie oder ihn von sich überzeugen und wenn möglich, an unserem monatlichen Lunch in Zürich teilnehmen, um den Rest der Bande kennenzulernen. Kleiner Tipp: Du erkennst uns am gespiegelten Я im Twitter Profil. Also sei mutig und lass uns zusammen die digitale Finanzwelt rocken!